Lexikon und Lesikon
Vorgestern Abend fand der zweite Vortrag aus der Reihe stereo skop statt. Zur Diskussion stand »Das Lesikon der visuellen Kommunikation« von Juli Gudehus. Im Buch – kein Lexikon im gewohnten Sinne – gibt es immer mehrere Meinungen zu einem Begriff. Kein Wunder: 3.513 »Co-Autoren« haben am Buch mitgewirkt! Verknüpft werden die einzelnen Artikel kreativ und assoziativ. Übliche Ordnungs-prinzipien [z.B. chronologische Ordnung] werden dabei zugunsten eigener ersetzt. Dieses Vorgehen charakterisierte der Mainzer Buchwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Bläsi als »nicht konsequent«. Bläsi war bemüht die Kategorisierung des Lesikon durch metalexikographische und buchwissenschaftliche Analysen »in den Griff zu bekommen«. Dabei fragte er kritisch nach der Vorgehensweise bei der Herstellung, Zielgruppendefinition, zu erwartende Lesenutzung und Aufbau der einzelnen Artikel. Weiterhin diskutierten die Vortragenden über alternative Darreichungsformen des Buchs, über mögliche sekundäre Nutzungen, die Automatisierung von Layoutprozessen, die Wissensplattform wikipedia und aktuelle Mängel im typografischen Satz von Internetseiten. Ob »gigantischer Blumenstrauß aus meist kurzen Texten« oder »Pseudo-Nachschlagewerk«: Sowohl der Vortrag als auch das Buch sorgten im Anschluss für spannende Fragen und Diskussion im Publikum.