Den Anfang der Vortragsreihe „monoskop“ im „skop – Kommunikationslabor für Wissenschaft und Gestaltung“ machten am Dienstag, den 19.04.11 die Zwillingsbrüder Thomas und Martin Poschauko. Die beiden sind Gestalter und Künstler und arbeiten in den Bereichen Illustration, Grafikdesign und Corporate Design. Ihren Vortrag widmeten sie ihrem wohl bekanntesten Projekt: der Kreativmaschine „Nea Machina“ (griech.: „Neue Maschine“).
Nea Machina ist ein Experiment, das die Brüder im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der FH Würzburg ins Leben gerufen haben. Unter Festlegung zweier Konstanten, einem Porträtfoto und dem Titel „Nea Machina“ wollten sie so viele stilistische Varianten wie möglich erschaffen. „Wir haben ziemlich überreagiert“ beschreibt Thomas die Arbeit an dem Projekt, bei dem über 1000 verschiedene Motive entstanden sind, die in dem gleichnamigen Buch festgehalten wurden.


Der Arbeit der beiden Brüder basiert auf zwei grundlegende Wechselbeziehungen – die Beziehung zwischen Kopf und Bauch, wenn es um die Idee geht, und die Beziehung zwischen Hand und Computer als Werkzeug.
Sie variieren ihre Arbeitsweise bewusst und brechen den digitalen Arbeitsvorgang gerne auf um händisch weiterzuarbeiten. So haben sie zum Beispiel bei der Arbeit „Der traurige Clown“ ausgehend von einem Bild, immer neue Elemente und Ebenen hinzugefügt, verändert – mal per Siebdruck, mal mit Photoshop.
„Inspiration“ ist überall sagen sie und kennzeichnend für ihre Arbeit ist vor allem, dass sie jede Assoziation zulassen und ihre Bauch Ideen umsetzen.
In der Arbeit „Vom Verzerrmodell zum Picasso“ haben sie ein Gesicht aus Spielzeugklammern gebaut und es mit Händen immer wieder variiert, wobei schnelle Veränderungen möglich waren, da sie ihre Finger wie „zehn multifunktionale Cursor“ einsetzen konnten, wie sie sagen. Eine der verzerrten Figuren erinnerte sie an „Die weinende Frau“ von Picasso, so dass sie ausgehend von dieser Assoziation eine einfache Illustration zeichneten, die immer weiter vereinfacht und reduziert wurde, bis sie sie nichts mehr von einem Portrait hatte, sondern wie ein Stock mit zwei Punkten aussah. An den verzerrten Picasso mussten sie wieder denken, als sie an einem Begrenzungspfahl am Straßenrand vorbeigingen. Sie fotografierten ihn und zeichneten ihn am Computer mit Farbflächennach, wodurch er sich schließlich in einen Torrero „verwandelte“.


Die Assoziationsketten der Brüder scheinen keine Grenzen zu kennen. Sie lassen sich von Menschen, Materialien und der Natur inspirieren und zeigen, dass es ein Unterschied ist, ob man bestimmte Dinge bloß denkt oder sie auch umsetzt. „Machen ist Voraussetzung fürs Denken“ sagen sie – und so funktioniert wohl auch die „Kreativmaschine“.


Bahar Hasan